Eile ist geboten - für Gemeinschaftsschule

Badisches Tagblatt vom 27. Februar 2014

SPD setzt sich für Gemeinschaftsschule in Gernsbach ein

Gernsbach (red/nof) - Die Gernsbacher SPD setzt sich für die Errichtung einer Gemeinschaftsschule ein. Das mittlere Murgtal sei eine attraktive Bildungsregion, in der die zukunftsträchtige Schulart Gemeinschaftsschule nicht fehlen dürfe. Die Gernsbacher Sozialdemokraten sprechen "sich deshalb für die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule an der Von-Drais-Schule Gernsbach aus".

Die Einrichtung müsse vom Schulträger beantragt werden, nachdem von der Schule (oder den beteiligten Schulen) ein schlüssiges pädagogisches Konzept vorgelegt wurde. Da im mittleren Murgtal bisher keine Gemeinschaftsschule existiere, sei ein Standort in Gernsbach zum jetzigen Zeitpunkt genehmigungsfähig. Die für die Zukunft geforderte Zahl von 40 Schülern in der Eingangsstufe fünf könne in jedem Fall erreicht werden. Die Erfahrung in Baden-Württemberg zeige, "dass die neu genehmigten Gemeinschaftsschulen von Schülern, Eltern und Lehrern sehr gut angenommen werden und dass sie eine überörtliche Bedeutung entfalten". Es sei wichtig, dass Gernsbach auch in Zukunft mit allen Schularten aufwarten kann. "Fehlt die Gemeinschaftsschule, so fehlt ein modernes Bildungsangebot. Schüler sollen nicht in andere Kommunen abwandern, wenn sie an dieser neuen Schulform lernen wollen", wird der Gernsbacher SPD-Ortsvereinsvorsitzende Heinz-Volker Faßnacht in einer Pressemitteilung zitiert.

Sowohl das Kultusministerium Baden-Württemberg als auch Städte- und Gemeindetag sähen keine Zukunftschancen für die Werkrealschulen im Land. Der Einbruch der Schülerzahlen bei dieser Schulart habe auch vor der Von-Drais-Schule in Gernsbach nicht haltgemacht. "Die Umwandlung der Werkrealschule in eine Gemeinschaftsschule gibt der Von-Drais-Schule eine neue Zukunftsperspektive in ihren sanierten historischen Räumen."

Darüber hinaus würden die vor wenigen Jahren für das Raumangebot der Ganztagsschule getätigten Investitionen der Stadt nachhaltig geschützt. Die Kosten der Einführung einer Gemeinschaftsschule seien an der Von-Drais-Schule überschaubar, da die Strukturen der Ganztagsbetreuung dort bereits vorhanden sind. Die gut angenommene Realschule mit ihren attraktiven Angeboten sei durch die Einführung einer Gemeinschaftsschule in ihrem Bestand nicht gefährdet und könne ihr Profil eigenständig weiterentwickeln.

"Das Lernkonzept der Gemeinschaftsschule, das die Bildungsforschung der letzten 25 Jahre nun endlich auch ins Klassenzimmer holt, steht für zukunftsweisende Pädagogik, die Kinder wirklich begabungsgerecht und differenziert fördert", heißt es in der Mitteilung. Die Von-Drais-Schule Gernsbach verfüge über ein engagiertes und kompetentes Kollegium. Gernsbach dürfe die "Entwicklungen moderner Pädagogik nicht verschlafen".

Die SPD Gernsbach spricht sich deshalb für die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule an der Von-Drais-Schule Gernsbach im Schuljahr 2015/16 aus. Stichtag für die Antragstellung sei der 1. Juni 2014. "Es ist also vonseiten des Schulträgers Eile geboten."

Die Schulart Gemeinschaftsschule bietet einen integrierten Bildungsgang für Kinder aller Begabungen an. Die frühe Festlegung auf einen bestimmten Weg in der Sekundarstufe entfällt damit. Heterogenität sei das grundlegende Prinzip der Gemeinschaftsschule und Kinder mit Behinderungen gehören ganz selbstverständlich dazu. Wirklich neu sei, dass das Lernen in sogenannten "Lernlandschaften" stattfindet, die so gestaltet sind, dass unterschiedliche Kinder in unterschiedlicher Geschwindigkeit unterschiedliche Lernwege finden und gehen können. In der Individuellen Lernbegleitung erhalten die Schüler die nötigen fachlichen Informationen und Unterstützungen.

Durmersheim und Bühl haben als erste Gemeinden im Landkreis Rastatt den Zuschlag für die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen nach den Sommerferien erhalten.

Auf Defizite in der regionalen Schulentwicklung angesprochen, hatte Staatssekretär Klaus-Peter Murawski (Grüne) bei seinem Besuch in Gernsbach betont, die allermeisten Schulämter würden "ihrer Rolle gerecht". Die Koordinierung und die Einleitung des Prozesses der regionalen Schulentwicklung sei ihre Aufgabe. "Es kann nicht sein, dass das eine oder andere Schulamt sich da zurückzieht und das Ganze den Kommunen überlässt."

 
 

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Website von Gabriele Katzmarek