In die Bäderfrage kommt Bewegung

Badisches Tagblatt vom 6. Oktober 2010

In die Bäderfrage kommt Bewegung / SPD-Konzept und Bürgermeister-Überlegungen / Ein Jahr Pause im Igelbachbad?

Von Volker Neuwald

Gernsbach - Mit einem neuen Bäderkonzept ist die SPD-Fraktion am Montag in die Öffentlichkeit gegangen. Es müsse möglich sein, alle vier Schwimmbäder zu erhalten und dennoch erhebliche finanzielle Ersparnisse für die Stadt zu erzielen, so ihr Ansatz. Derweil grübelt Bürgermeister Dieter Knittel über der Frage, wie man - analog zu den drei Stadtteilbädern - auch im Igelbachbad einen Förderverein aus der Taufe heben kann. Eine Möglichkeit will er nicht mehr ausschließen - dass das größte Bad der Stadt 2011 geschlossen bleibt, wenn sich kein ehrenamtliches Engagement einstellt.

Denn durch die Leitbild-Diskussion in den vergangenen Monaten sei ihm nochmals bewusst geworden, wie groß der Einsatz der Schwimmbadinitiativen in Obertsrot, Reichental und Lautenbach ist und wie sehr die Menschen für den Erhalt ihrer Bäder eintreten, so Knittel gestern im Gespräch mit dem BT. "Leider vermisse ich ein solches Engagement im größten Gernsbacher Bad. Aus Gründen der Gleichberechtigung ist es einfach notwendig."

Ein Jahr Pause im Igelbachbad? Knittel denkt nach eigenen Angaben ernsthaft darüber nach. "Dadurch ließe sich ein großer Teil des Zuschussbedarfs von 420000 Euro im Jahr einsparen", besonders bei den Personalkosten.

Premium-Mitglieder für die Fördervereine

Alternativ prüft die Stadt ein Betriebskonzept mit einem privaten Dienstleister. Mit dem Abschluss eines Betreibervertrags könnte man die Kosten um rund zehn Prozent reduzieren, so die Schätzung der Verwaltung. Was nicht in der Vorlage steht: Der private Dienstleister wird aller Voraussicht nach die Eintrittspreise deutlich erhöhen müssen.

Die Gernsbacher Sozialdemokraten bringen eine weitere Variante ins Spiel. In einem von Michael Brecht und Guido Wieland verfassten Antrag an die Verwaltung wird folgender Vorschlag unterbreitet:

"Die Schwimmbäder werden morgens von 8 bis 12 Uhr an die Schwimmbad-Initiativen (Fördervereine) und zusätzlich an einem weiteren ganzen Tag in der Woche an die Initiativen/Vereine verpachtet. Sie sind für die gepachteten Zeiträume verantwortlich, Zutritt haben in dieser Zeit nur Vereinsmitglieder. In den angemieteten Morgenstunden, von 8 bis 10 Uhr, ist der Zutritt zu den Bädern über eine Premium-Mitgliedschaft in den Initiativen/Vereinen möglich. Ab 10 Uhr ist an allen Tagen der Zugang mit Jahreskarte möglich, da durch den Bezug der Jahreskarte auch eine (beitragsfreie) Mitgliedschaft in den jeweiligen Fördervereinen verbunden ist. Mit dem Bezug einer Tageskarte für den von den Fördervereinen gepachteten Tag wird ebenfalls eine (beitragsfreie) Tagesmitgliedschaft in den Vereinen erworben."

Dieses Konzept stellt aus Sicht der SPD-Fraktion eine Mischform des Betriebs- beziehungsweise Betreibermodells dar, getragen durch die Stadt und die Fördervereine oder Schwimmbadinitiativen. "Diese Kooperation ist notwendig, weil es aus unserer Sicht dauerhaft nicht möglich erscheint, den Betrieb der Bäder ganz auf die Badinitiativen zu übertragen." Durch diesen Ansatz könnten die Personalkosten erheblich reduziert und die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes eingehalten werden, sind die Antragsteller überzeugt. "Dadurch wird es der Stadt Gernsbach ermöglicht, den Bäderbetrieb für alle Bäder aufrechtzuerhalten." Parallel sollten weitere Gespräche mit den Initiativen über eine neue Deckelung der Defizite getroffen werden. Die Gründung eines Schwimmbadvereins für das Igelbachbad hält auch die SPD für notwendig.

 
 

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Website von Gabriele Katzmarek