Nationalpark Nordschwarzwald

Unterwegs

Erkundungs-Rundgang im Bannwald um den Wildsee beim Naturschutzzentrum Ruhestein Welche Chancen und welche Risiken birgt ein möglicher Nationalpark Nordschwarzwald? Wie sieht überhaupt ein Wald aus, der sich unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen in seiner natürlichen Dynamik entwickeln kann? Diesen Fragen ging eine Gruppe von Sozialdemokrat(inn)en aus Gernsbach und Weisenbach am 8. Oktober 2011 bei einer Exkursion in den Bannwald am Wildsee nahe dem Naturschutzzentrum Ruhestein nach. Als Führer und Gesprächspartner nahmen sich Dr. Wolfgang Schlund, Leiter des Naturschutzzentrums Ruhestein, und Georg Jehle, Leiter des Kreisforstamtes Freudenstadt, mehr als drei Stunden Zeit, um den Informationshunger der Teilnehmer zu stillen.

Der Bannwald am Wildsee wird bereits seit 100 Jahren vollständig sich selbst überlassen, so wie es auch für die Kernzone des diskutierten Nationalparks vorgesehen ist. Auch wenn es sich erst um einen „Urwald von morgen“ handelt (das natürliche Leben eines Baumes dauert oft mehr als 400 Jahre), springt der Unterschied zu bewirtschafteten Wäldern durch den hohen Anteil an Alt- und Totholz unmittelbar ins Auge. Gerade im Totholz steckt jedoch besonders viel Leben. „Der Artenreichtum im Bannwald ist doppelt so hoch wie in einem naturnahen bewirtschafteten Mischwald“, nannte Dr. Wolfgang Schlund als entscheidendes Argument, warum ein Nationalpark unter Naturschutzgesichtspunkten jeder Art von Nutzwald überlegen sei. Aber wie sieht es mit der vieldiskutierten Borkenkäferproblematik aus? Besteht nicht die Gefahr, dass etwa bei einer Ausweisung des Kaltenbronn als Teil des Nationalparks der angrenzende Gernsbacher Kommunalwald geschädigt wird und damit eine wichtige Einnahmequelle der Stadt? Hier gab Georg Jehle eine auf den ersten Blick überraschende Antwort: „Der Borkenkäfer ist unabhängig, ob ein Nationalpark kommt, schon da“, und auch angesichts des Klimawandels sei in einem heißen Sommer die nächste massenhafte Käferausbreitung nur eine Frage der Zeit. Das richtige Park-Management vorausgesetzt, könne ein Nationalpark mit seinem Personal sogar einen aktiven Beitrag dazu leisten, den Käfer im benachbarten Nutzwald unter Kontrolle zu halten. Am Ende der Exkursion waren sich die teilnehmenden SPD-Mitglieder darin einig, dass eine vorschnelle Festlegung in der Frage des Nationalparks fehl am Platze sei. „Die eigentliche Diskussion über die Einrichtung eines Nationalparks“, fasste der Ortsvereinsvorsitzende Heinz-Volker Faßnacht das Meinungsbild zusammen, „steht an, wenn das von der Landesregierung in Auftrag gegebene Gutachten vorliegt. Es geht nicht nur um das Ob, auch das Wie ist entscheidend.“

 
 

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Website von Gabriele Katzmarek