Warten auf die Mauersegler

Badische Neueste Nachrichten vom 26. März 2012

Gernsbacher Storchenturm soll erst nach der Brutzeit eingerüstet werden

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Dürr

Gernsbach. Auf gute Resonanz stieß die Einladung der SPD Ortsgruppe, sich bei einer Führung von SPD-Stadträtin Irene Schneid-Horn in Begleitung von Architekt Bernd Säubert ein umfassendes Bild über die geplante Generalsanierung des historischen Storchenturms zu machen. Eingangs informierte Schneid-Horn die Besucher über die mehr als 500-jährige Geschichte des wehrhaften Wächters an der westlichen Grenze der Altstadt.

Dank dem Ende November von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz übergebenen Fördergeld von 45 000 Euro (die BNN berichteten), wurde die auf knapp 100 000 Euro veranschlagte Summe für die Generalsanierung des historischen Wahrzeichens zusammen mit Landesmitteln aus der Denkmalpflege (24 000 Euro), Bürgerspenden (10 000 Euro) und Mitteln der Stadt Gernsbach erreicht. Doch es wird wohl August werden, bevor der 26 Meter hohe Storchenturm eingerüstet werden kann. Denn bis zu dieser Zeit werden die Hohlräume der Dachtraufen von den Anfang April erwarteten Mauerseglern als Brutstube genutzt.

Viele Nistplätze gehen den Turmschwalben zwischenzeitlich durch Dachsanierungen verloren und haben den geheingeschränkten Segler bereits auf die Vorwarnliste der „Roten Liste“ gefährdeter Vogelarten gesetzt, hieß es bei der Führung. Die historischen Fenster mit Bleiglasfassungen sind jedoch bereits ausgebaut und werden schon saniert. Steht dann das mit 20 000 Euro veranschlagte Gerüst, werden die lockeren Fachungen auf einer Fläche von etwa 60 Quadratmeter vom Zementputz befreit, mit Lehmziegeln neu ausgefacht und mit Kalkputz verputzt. Schadhafte Balkenköpfe werden angeschäftet und Steigbänder eingezogen, erläutert Architekt Säubert, selbst seit zwei Jahren Mitglied im Arbeitskreis für Stadtgeschichte. Dabei wolle man mit „tradierten Methoden und möglichst wenig Verlust an der historischen Substanz“ vorgehen.

Der neue Boden im Turmzimmer wird entfernt und die darunterliegenden Dielen begutachtet und aufgearbeitet. Die Einrüstung des Turms bietet zudem die Gelegenheit, schadhafte Stellen im Mauerwerk auszubessern. Vor Einbruch des Winters sollen die Fassadenarbeiten abgeschlossen sein. Dann kann der Storchenturm der Öffentlichkeit weiterhin als genutztes Denkmal zur Verfügung stehen und auch der Mauersegler wird auf seine gewohnten Brutplätze zurückgreifen können.

 
 

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Website von Gabriele Katzmarek